5. Österreichische Wasserstraßentag, 7. Mai 2010, Krems
Österreichischer Wasserstraßentag in der Wachau – Österreichs Personenschifffahrt im Brennpunkt
Einige erlebten ihn zum ersten Mal, für andere hat er sich bereits zu einer kleinen Tradition entwickelt – der alljährliche Wasserstraßentag des Österreichischen Wasserstraßen- und Schifffahrtsvereines (ÖWSV). Aus diesem Anlass fanden sich die Gäste mit unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen, welchen jedoch ein generelles Interesse an der Binnenschifffahrt gemein ist, am Freitag dem 7. Mai 2010 an der Donaustation 24 in Krems-Stein ein. Dort ging man an Bord des Brandner-Schiffes MS Austria um den frühlingshaften Nachmittag auf den sanften Wellen der Donau zu verbringen.
Nach den Begrüßungsworten von ÖWSV-Präsidenten KR DI Dr. Siegmar Hanser und Dr. Christian Moser, Vizepräsident der WKNÖ, hieß Frau Mag. Barbara Brandner-Mosser, Geschäftsführerin der Brandner Schifffahrt GmbH, die Anwesenden auf dem vor 2 Jahren zu einem modernen Schmuckstück renovierten Flaggschiff ihrer Personenschifffahrtsflotte willkommen. Im Anschluss daran nahm das Programm unter dem Motto „Donau erleben“ seinen Lauf. Kernthema der diesjährigen Veranstaltung war die Personenschifffahrt als Teil des Tourismus in der Wachau und entlang des durch 13 Anrainerstaaten fließenden Stromes (Deutschland, Österreich, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Ukraine, Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien, Moldau und Bosnien-Herzegowina).
In einem kurzen Referat stellte Frau Dr. Hella Ranner, Abgeordnete für Verkehr, Tourismus & Kultur im europäischen Parlament, ihre „Europäischen Ideen für eine Donauraumstrategie“ vor. Hauptziel dabei sei es, den territorialen Zusammenhalt der Unternehmen in der Region zu fördern. Wie sie weiters betonte, stellt der Donauraum mit etwa 90 Millionen in diesem Gebiet lebenden Menschen, und einem Umsatzvolumen von rund 750 Milliarden Euro eine nicht unbedeutende Wirtschaftsregion dar. Angesichts der bevorstehenden EU-Ratspräsidentschaft Ungarns (für das 1. Halbjahr 2011), macht sich nicht nur unser östliches Nachbarland für eine neue Donauraumstrategie stark, sondern auch die Länder Rumänien, Serbien und Bulgarien.
Während das Schiff inzwischen abgelegt hatte und stromaufwärts fuhr, und sich dabei ringsum die saftig-grüne Landschaft dem Betrachter vom Wasser aus in ihrer vollen Pracht offenbarte, moderierte die ORF-Wetter-Lady Christa Kummer im Rumpf des Schiffes eine Gesprächsrunde zum Thema „Wirtschaftszweig Personenschifffahrt“. Diskussionspartner waren Dr. Christian Moser, DI Wolfram Mosser (Obmann des Fachverbands der Schifffahrtsunternehmungen, WKÖ), Prof. Gerhard Skoff (Präsident „Die Donau“), Mag. Bernhard Schröder (Geschäftsführer der Donau Niederösterreich Tourismus GmbH), Kapitän Karl-Heinz Eder (Traunseeschifffahrt Karlheinz Eder GesmbH) sowie ÖWSV-Vizepräsident Mag. Otto Schwetz, welcher als Vorsitzender des TINA VIENNA Korridormanagements für den „Korridor 7 - Die Donau“, Stellung bezog.
Dabei kristallisierte sich heraus, dass die Personenschifffahrt in Öster-reich nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor ist. Demnach zählte das Gewerbe auf den Binnengewässern der Alpenrepublik im Jahr 2009 insgesamt rund 3 Millionen beförderte Personen. Mehr als 350 Unternehmen (Linienbetriebe, Fähren, Ausflugsschiffbetreiber etc.) waren an dem Geschäft beteiligt. Unter anderem waren im vergangenem Jahr 114 Kreuzfahrtsschiffe auf dem Donaustrom unterwegs; Tendenz steigend.
Wie wiederholt hervorgehoben wurde, beläuft sich die Auslastung dieser bedeutenden Wasserstraße auf 7 Prozent der potentiell vorhandenen Kapazität. Der Vergleich mit einer vierspurigen Autobahn, welche lediglich auf einer Spur befahren wird, wird hierbei oftmals als bildhafte Veranschaulichung der derzeitigen Situation herangezogen.
Was die Kunden suchen, sei Authentizität, heißt es seitens der Wirtschaftstreibenden. Dies gelte nicht nur für die Schifffahrt, sondern auch für die anderen Tourismussparten wie die Hotellerie oder Gastronomiebetriebe, welche entlang der Ufer der Donau angesiedelt sind. Vor diesem Hintergrund ist ein Ausbau des Radweges auf dem Treppelweg vorgesehen. Der Plan sieht vor eine durchgehende Verbindung von Passau bis Constantza für die Pedalritter zu schaffen. Somit solle das Potential der attraktiven und authentischen Naturlandschaft genutzt werden um den Tourismus, und in weiterer Folge die gesamte Wirtschaft entlang des Flusses anzukurbeln.
Die Ankunft und Wende beim historischen Besuchermagneten Stift Melk markierte auch am Schiff den Übergang vom wirtschaftlichen zum kulturellen Teil des Programms. Unter dem simplen aber durchaus treffenden Titel „Die Wachau und ihre Schönheit“ präsentierte KR Karl Kurzbauer die Sehenswürdigkeiten welche das Schiff im Streckenabschnitt zwischen Melk und Krems passierte. Darunter finden sich neben dem oben erwähnten von Jakob Brandauer erbauten Stift die sagenumwobene Ruine Dürnstein und der weltbekannte, nun wieder in der ursprünglichen Farbe Blau gehaltene Kirchturm, das Schloss und die dazugehörige Kartause Schönbühel, Aggsbach mit der Anlegestelle für den letzten - ansonsten im Tullner Hafen stationierten - Donau-Raddampfer, sowie die ebenfalls zum Gut Schönbühel gehörige Ruine Aggstein. Die Burg mit dem charakteristischen Stiegenaufgang im Innenhof war dazumals von Kuenringer Rittern bewohnt und dient heute als Austragungsort für diverse Veranstaltungen. Der geschichtsträchtige Boden der Wachau – woher unter anderem der berühmte Fund der steinzeitlichen Frauenfigur „Venus von Willendorf“ stammt – ist mit seinem milden Klima seit jeher als für den Wein und Obstbau prädestinierter Landstrich bekannt. Weinkenner untergliedern die vorrangig zur Produktion von Weiswein genutzten Rebsorten nach ihrem Alkoholgehalt in Steinfelder (11 Volumenprozent), Federspiel (12%) und Smaragd (nach der heimischen Smaragdeidechse benannt; >12%). Rund 60 Prozent des Anbaus macht der Klassiker Grüner Veltliner aus; der Rest besteht aus Rhiesling, Neuburger, Silvaner und einigen anderen Trauben.
Kulinarisch gestärkt und dank angeregter Gespräche mit einigen neuen Ideen im Kopf, verließen gegen 8 Uhr abends wieder ein paar mehr Wachau-Fans das nach Krems zurückgekehrte Schiff um wieder an Land zu gehen.
Barbara Schuster

